Diagnose stellen - Diagnose präzisieren: 

Meist führt der Weg zum Arzt, wenn Beschwerden bestehen wie Sodbrennen, Schluckbeschwerden, Brust- und Oberbauchschmerzen. Dann erfolgen das Gespräch und die körperliche Untersuchung. In der Zusammenschau der Befunde werden die notwendigen sogenannten apparativen Untersuchungen angeordnet, um die Diagnose zu stellen. Bei Erkrankungen, die selten vorkommen, vergehen manchmal mehrere Jahre, bis die richtige Diagnose gestellt werden kann. Entweder weil dem Arzt wenig genutzte Untersuchungsmethoden nicht geläufig sind oder weil Spezialuntersuchungen schwer verfügbar sind. Gelegentlich werden Patienten mit Erkrankungen der Speiseröhre auch zuerst zum Herzspezialisten oder zum Hals-Nasen-Ohrenarzt geschickt, weil die Beschwerden und die Symptome einen Zusammenhang vermuten lassen. Wenn diese Untersuchungen unauffällig sind, sollte eine Vorstellung bei einem Spezialisten für Speiseröhren- und Magenerkrankungen, dem sog.  Gastroenterologen, erfolgen.

Wenn eine Erkrankung der Speiseröhre besteht, ist es insbesondere bei Tumorerkrankungen, Risikokrankheiten und dauerhaften (chronischen) Erkrankungen wichtig, die Erkrankungsstufe mithilfe objektiver Befunde genau zu ermitteln. Es geht darum zu klären, ob und welcher Art einer Behandlung erfolgen muss. In den letzten Jahren haben sich die endoskopischen und chirurgische Eingriffsarten rasant weiterentwickelt, so dass Erkrankungen der Speiseröhre mit den modernen Verfahren erfolgreich und schonend zugleich behandelt werden können und dadurch die Lebensqualität gar nicht oder wenig eingeschränkt ist.

Moderne Endoskopie und Chirurgie können vor allem in Kombination mit langjähriger Erfahrung und Zusammenarbeit der unterschiedlichen Fachspezialisten dazu führen, dass Eingriffe gelingen, die entweder nicht für möglich gehalten werden oder in weniger spezialisierten Zentren nicht ausgeführt werden können.

Eine exakte Diagnose ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung.

 

Endoskopie – Speiseröhrenspiegelung- Ösophago-Gastro-Duodenoskopie (ÖGD)

Diese Untersuchung wir bei den Erkrankungen der Speiseröhre immer durchgeführt:

Diagnostik EndoskopieDas Endoskop ist ein dünner Schlauch (in der Regel 9 mm durchmessend), der an der Spitze mit einer Lichtquelle und einer Kamera ausgestattet ist. Das Bild wird auf einen Untersuchermonitor übertragen. Zusätzlich befindet sich ein dünner sogenannter Arbeitskanal im Endoskop über den die Zusatzinstrumente, zum Beispiel eine winzige Zange zur Entnahme von Gewebeproben oder ein sog. Sprühkatheter zum Aufbringen von ungiftigen Farbstoffen, geschoben werden können. Die Untersuchung erfolgt in den allermeisten Fällen in Narkose. Sie kann aber auch bei örtlicher Betäubung des Rachenraumes ausgeführt werden.  Man liegt in stabiler Linksseitenlage. Wenn die Narkose wirkt, wird das Endoskop über den Mund eingeführt und eine vollständige Spiegelung mit Beurteilung von Speiseröhre, Magen und Dünndarm vorgenommen. Die modernen Endoskope können durch technische Zusatzmethoden wie Vergrößerung oder Konturanhebung (sog. NBI-Modus) die Schleimhaut bzw. Oberfläche der Speiseröhre genauer darstellen. Das Anfärben der Schleimhaut, die sog. Chromoendoskopie, kann bei bestimmten Fragestellungen zusätzliche Befundinformationen erbringen, Beispiele sind auffällige Schleimhautbereiche, Planung der Behandlung oder die endoskopischen Überwachung des Barrett-Ösophagus und anderer sogenannter Risikoerkrankungen. Außerdem ist  im Rahmen der Speiseröhrenspiegelung die Entnahme von Gewebeproben möglich. Die feingewebliche Untersuchung der Gewebeprobe erfolgt durch den Pathologen.

In der Regel verursacht die Untersuchung keine Probleme. Bei dem Vorliegen bestimmter Erkrankungen, zum Beispiel der Achalasie oder einer Engstelle, ist das Risiko höher.

 

Endosonographie - Ultraschall von innen

Bei der Endosonographie  wird ein spezielles Endoskop (s. Endoskopie Speiseröhrenspiegelung) eingesetzt, das durch einen Sensor an der Spitze Schallwellen aussendet und empfängt. Die einzelnen Gewebeschichten der Speiseröhre  und tieferliegendes Gewebe wie Lymphknoten  sind gut erkennbar. Der endoskopische Ultraschall wird bei Erkrankungen der Speiseröhre eingesetzt, zum Beispiel zur Erkennung, Beurteilung, Überwachung oder für die Behandlungsplanung eines sog. submukösen Tumors. Bei bösartigen Tumoren und hochgradigen Veränderungen dient die Endosonographie zu einer Einordnung des Erkrankungsstadiums sowie zu einer Behandlungsplanung, speziell vor einer endoskopischen Therapie.  Über einen dünnen sogenannter Arbeitskanal im Endoskop können mithilfe einer feinen Nadel Gewebeproben oder Flüssigkeiten gewonnen werden (sog. Feinnadelpunktion). Die Untersuchung erfolgt wie die Speiseröhrenspiegelung in Narkose. Man liegt in stabiler Linksseitenlage. Wenn die Narkose wirkt, wird das Endoskop über den Mund eingeführt und der Ultraschall beginnt. Unmittelbar vorher erfolgt eine vollständige Speiseröhrenspiegelung mit dem „normalen“ Endoskop.

In der Regel verursacht die Untersuchung keine Probleme. Bei dem Vorliegen von Engstellen (Stenosen) kann die Untersuchung häufig nicht vollständig ausgeführt werden.

 

Endo-Flip

Dieses junge Untersuchungsverfahren der Funktionsdiagnostik erfolgt während einer Speiseröhrenspiegelung bzw. eines Eingriffs und gibt Informationen über die Dehnbarkeit  des unteren Speiseröhrenschließmuskels. Ein Katheter mit einem Messballon an der Spitze wird über den Mund in der Speiseröhre platziert.  Wie diese Messergebnisse zu bewerten sind und ob sie prognostisch eine Bedeutung oder einen Mehrwert haben, ist derzeit noch in der Überprüfung. Die Untersuchung mit Endo-Flip  ist eine Spezialuntersuchung und nicht überall verfügbar.

 

Hochauflösende Manometrie - Druckmessung

Diagnostik HR Manometrie Die Speiseröhrendruckmessung dient dazu, den Schluckablauf und damit die Funktion der Speiseröhre zu überprüfen. Drucksensoren nehmen die Bewegungen des Speiseröhrenmuskels exakt auf, die Messwerte werden gleichzeitig auf einem Untersuchungsmonitor topographisch dargestellt. Diese Untersuchung hat ihren besonderen Stellenwert in der Abklärung von Schluckbeschwerden und Brustschmerzen  sowie vor bzw. nach speziellen endoskopischen oder operativen Eingriffen. Auch wird sie in der Nachsorge zur Überprüfung der Schluckfunktion eingesetzt. Sie ist eine Spezialuntersuchung und nicht überall verfügbar.

Für die Untersuchung wird im Sitzen eine dünne, weiche Sonde durch die Nase über den Rachen in die Speiseröhre vorgeschoben, die Spitze liegt im Magen. Vor der Untersuchung  wird die Nase betäubt und die Sonde mit einem betäubenden Gleitgel behandelt. In den meisten Fällen erleichtert das Schlucken von Wasser das gleichzeitige Schlucken der Sonde. Ist die Sonde richtig positioniert, wird sie an der Nase mit einem Pflaster befestigt. Die Untersuchung erfolgt im Liegen. Dabei wird zunächst eine Ruhephase aufgenommen, in welcher man sich auf die Atmung konzentriert und nicht schlucken soll. Anschließend schluckt man auf Anweisung 5 ml Wasser oder eine bestimmte Menge an weicher Kost. Diese Schluckakte erfolgen mindestens 10 mal pro Untersuchung.

Die hochauflösende (sog. High resolution, HR) Manometrie ist eine sehr wertvolle Untersuchung in der Abklärung von Schluckbeschwerden; speziell bei der Achalasie und anderer spastischer Funktionsstörungen ist sie der sogenannte Goldstandard und hat auch prognostische Bedeutung. Je nach Technik und Erfahrung kann die Untersuchung Unbehagen hervorrufen, verursacht aber sonst in der Regel keine Probleme.

 

Langzeit-pH Metrie und Impedanz – Säure- und Volumenrefluxmessung

Beschwerden bei Reflux und dem sog. nicht typischen Reflux kommen häufig vor. Die kontinuierliche Säure- bzw. Volumenrefluxmessung gibt Aufschluss über das tatsächliche Aufkommen der Rückflussmenge von dem Magen in die Speiseröhre über einen Zeitraum von mindestens 24 Stunden. Mehrere Messpunkte erfassen kontinuierlich den Säure- bzw. Volumengehalt, diese werden auf einen kleinen Aufnahmerekorder übertragen und gespeichert.   Diese Untersuchung wird für die Abklärung von Beschwerden, vor bzw. nach endoskopischen oder chirurgischen Eingriffen und für die Überprüfung der Behandlung eingesetzt.

Wie bei der Manometrie wird bei dieser Untersuchung im Sitzen eine ultradünne, weiche Sonde durch die Nase über den Rachen in die Speiseröhre vorgeschoben, die Spitze liegt im Magen. Vor der Untersuchung  wird die Nase betäubt und die Sonde mit einem betäubenden Gleitgel behandelt. In den meisten Fällen erleichtert das Schlucken von Wasser das gleichzeitige Schlucken der Sonde. Ist die Sonde richtig positioniert, wird sie mit einem Pflaster an der Nase befestigt und der kleine Aufnahmerekorder gestartet. Die Sonde behindert beim Schlucken und Essen minimal. Zuhause führt man ein Tagebuch, weil speziell Beschwerdezeitpunkte, Essenszeiten und Liegephasen über den Untersuchungszeitraum erfasst werden sollen. Am Folgetag der Untersuchung kommt man wieder, damit die Sonde entfernt und die Messwerte ausgelesen werden können. Bestimmte Medikamente sollen für die Untersuchung einige Tage zuvor pausiert werden, damit die Messergebnisse nicht verfälscht werden.

Die Untersuchung verursacht in der Regel keine Probleme. Sie ist eine Spezialuntersuchung und nicht überall verfügbar. Wichtig ist, dass man bestimmte Medikamente pausiert und den Folgetag der Untersuchung einplant.

Eine Säuremessung über 48 Stunden oder länger kann auch durch einen kleinen Chip erfolgen, der im Rahmen einer Speiseröhrenspiegelung an der Schleimhaut angebracht wird. Die Messwerte werden schließlich telemetrisch auf dem Aufnahmerekorder erfasst. Diese Untersuchungsart führen wir derzeit nur im Rahmen von klinisch-wissenschaftlichen Studien aus.

 

Abdomensonographie- Ultraschall von außen

Die Ultraschalluntersuchung des Bauches ist eine einfache, wenig belastende Untersuchung.  Mithilfe eines Schallkopfes werden durch die Bauchdecke Schallwellen ausgesendet und empfangen. Bauchorgane und Lymphknoten sind gut erkennbar. Speziell bei bösartigen Tumorerkrankungen der Speiseröhre wird die Abdomensonographie als erste orientierende Zusatzuntersuchung eingesetzt. Die Untersuchung erfolgt im Liegen, gelegentlich erhält man von dem Untersucher Atemanweisungen, damit Organe und Gefäße besser darstellbar sind.

 

Computertomographie

Bei Erkrankungen der Speiseröhre und des Mageneingang, speziell bei bösartigen Tumorerkrankungen,  können durch eine Computertomographie mit Röntgenstrahlen neben der Speiseröhre auch die umliegende Gewebestrukturen und Organe in dünnen Schichtbildern genau erfasst und beurteilt werden. Die Untersuchung erfolgt im Liegen mit der Gabe von jodhaltigem Kontrastmittel über die Blutbahn. Die Liege wird durch eine „offene“ Röntgenröhre automatisch geschoben. Während der Untersuchung erhält man zudem über einen Lautsprecher Atemanweisungen, damit die Schichtbildaufnahmen nicht verwackeln.

Die Computertomographie ist eine einfache Untersuchung ohne wesentliche Probleme. Gelegentlich kann eine Reaktion auf das jodhaltige Kontrastmittel auftreten.

 

Röntgen Breischluck

Bei Schluckbeschwerden, bei  Kontrolluntersuchungen und vor endoskopischen oder chirurgischen Eingriffen kann die Breischluck-Untersuchung notwendig werden. Im Stehen schluckt man eine bestimmte Menge an Kontrastmittel (sog. Barium) in flüssiger Form oder mit Weißbrot verdickt und der Verlauf des Kontrastmittels durch die gesamte Speiseröhre wird mit Röntgenstrahlen (sog. Durchleuchtung) dargestellt. Es wird darauf geachtet, ob das Kontrastmittel in der normalen Zeit vollständig in den Magen übertritt, wie die Form der gesamten Speiseröhre ist, ob Aussackungen auffallen und ob ein Rückfluss aus dem Magen provozierbar ist.

Der Röntgen Breischluck ist eine einfache und zügige Untersuchung – es treten in der Regel keine Probleme auf. Bis kurz vor dem Untersuchungsbeginn darf man essen und trinken.