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Barrett-Ösophagus und Krebsvorstufen

Eine kleine Gruppe (etwa 3-5%) von Patienten mit Refluxerkrankung entwickeln Veränderungen an der Schleimhaut der Speiseröhre, die als Barrett-Ösophagus bezeichnet werden. Hier ist das normale Oberflächengewebe der Speiseröhre (sog. Plattenepithel) durch dünndarm-ähnliches Oberflächengewebe ersetzt, welches scheinbar die Magensäure besser verträgt. Es besteht allerdings auch ein damit verbundenes erhöhtes Risiko, Speiseröhrenkrebs zu entwickeln. Die genaue Ursache des Barrett-Ösophagus ist unbekannt. Die dauerhafte Refluxerkrankung ist ein Risikofaktor für die Entwicklung eines Barrett-Ösophagus.

Der Barrett-Ösophagus wird durch eine Speiseröhrenspiegelung erkannt und durch Gewebeproben bestätigt. Dabei werden in der feingeweblichen Untersuchung die Barrett-typischen Zellen nachgewiesen. Das Längenausmaß des Barrett-Ösophagus wird dabei genau erfasst. Männer sind zwei- bis dreifach häufiger betroffen als Frauen, das Auftreten des Barrett-Ösophagus steigt mit zunehmenden Alter an. Weitere Risikofaktoren sind Rauchen, familiäres Vorkommen und Übergewicht.

Bei Patienten mit Barrett-Ösophagus können Zellveränderungen (sog. Dysplasien, Krebsvorstufen) im weiteren Krankheitsverlauf auftreten. Patienten mit einem Barrett-Ösophagus haben im Vergleich zu der Allgemeinbevölkerung ein bis zu 125-fach erhöhtes Risiko für die Entstehung von Speiseröhrenkrebs. Eine langfristige Überwachung ist deshalb sinnvoll und wird empfohlen, da die frühzeitig erkannten Veränderungen sehr gut behandelbar und heilbar sind. Die frühen Krebsformen haben daher eine sehr gute Prognose.

Ein Ziel der Forschung wird es in den nächsten Jahren sein, Faktoren zu ermitteln, die solide hervorsagen können, welche Patienten mit einem Barrett-Ösophagus dazu neigen, Veränderungen und Krebs zu entwickeln, so dass diese intensiver überwacht werden.

 

Symptome/Beschwerden

- In den meisten Fällen beschwerdefrei, keine speziellen Beschwerden
- wenn Beschwerden, dann meistens Beschwerden der Refluxkrankheit
(Sodbrennen, säuerlicher Rückfluss vom Magen, gelegentlich Schluckbeschwerden)

 

Was wird gemacht?

Ist die Diagnose eines Barrett-Ösophagus gestellt, wird mit modernen Hochleistungsendoskopen das Längenausmaß der Barrett-Schleimhaut bestimmt und Schleimhautveränderungen erkannt. Zusätzlich werden mehrere Gewebeproben entnommen, die feingeweblich untersucht werden.

Sind keine Veränderungen im Barrett-Ösophagus sichtbar oder feingeweblich nachzuweisen, so ist die Behandlung ähnlich der Refluxkrankheit:

  • Allgemeine Maßnahmen zur Anpassung/Umstellung der Lebensgewohnheiten
  • Ggf. medikamentöse Therapie mit magensäureblockierenden Medikamenten
  • Endoskopische Überwachung in regelmäßigen Abständen

Werden Auffälligkeiten im Barrett-Ösophagus erkannt oder Veränderungen feingeweblich nachgewiesen, soll eine Vorstellung möglichst an einem Zentrum für die spezialisierte endoskopische Behandlung erfolgen. Hier wird zunächst im Rahmen einer Speiseröhrenspiegelung der Barrett-Ösophagus unter Anwendung von Zusatztechniken untersucht und der Behandlungsplan festgelegt. Bei dem Nachweis von hochgradigen Veränderungen (sog. High-grade intraepitheliale Neoplasien, HGIN) oder Krebszellen wird vorab auch noch ein Ultraschall von Innen (sog. Endosonographie) durchgeführt.

 

Endoskopischen Behandlungsverfahren

Die endoskopischen Behandlungsverfahren bei Veränderungen im Barrett-Ösophagus umfassen:

  • Endoskopische Resektion
    - Endoskopische Mukosa- Resektion (EMR)
    - Endoskopische Submukosa- Dissektion (ESD)
  • Endoskopische Ablationsverfahren
    - Argon-Plasma Koagulation
    - Radiofrequenzablation

In den meisten Fällen ist eine Kombination der Behandlungsverfahren angezeigt, da bei dem Nachweis von Veränderungen eine komplette Zerstörung der Barrett-Schleimhaut angestrebt wird. In Verbindung mit einer medikamentösen Begleittherapie (magensäureblockierende Medikamente) wächst die normale Schleimhaut, das Plattenepithel, der Speiseröhre in dem behandelten Bereich wieder nach. Für die Überprüfung des Behandlungserfolges wird die Behandlung durch wiederkehrende Entnahmen von Gewebeproben ergänzt. Nach Abschluss der Behandlung, ist eine endoskopische Überwachung sinnvoll und sollte in regelmäßigen Abständen durchgeführt werden. In bestimmten Fällen, abhängig von dem Ausmaß der Veränderung und den Ergebnissen der feingeweblichen Untersuchungen, kann eine zusätzliche chirurgische Behandlung angezeigt sein.

In der Regel ist das Einholen einer Zweitmeinung bei dem Nachweis von Veränderungen und frühen Krebsformen im Barrett-Ösophagus vor Beginn einer Behandlung sinnvoll. In den meisten Fällen wird die geplante Behandlungsstrategie zwar nur bestätigt, in einigen Fällen kann die Beratung hilfreich sein und zu einer Änderung des Behandlungsplans führen.

besondersBesonders: Bis rund vor einem Jahrzehnt war der chirurgische Eingriff mit der Entfernung der Speiseröhre das herkömmliche Standard-Verfahren für die Behandlung von hochgradigen Veränderungen und der frühen Krebsformen. Dieser Eingriff ist auch in spezialisierte Zentren nicht frei von Risiken und geht mit einer Verschlechterung der Lebensqualität einher. Dank des medizinischen Fortschritts ist heute die Anwendung von endoskopischen Behandlungsverfahren der erste Behandlungsschritt bei den Patienten, bei denen Veränderungen oder frühe Krebsformen im Barrett-Ösophagus vorliegen.
In spezialisierten Zentren können außerdem bei sorgfältiger Auswahl und besonderer Behandlungserfahrung bestimmte Patienten, bei denen eine zusätzliche chirurgische Behandlung nach den herkömmlichen Empfehlungen angezeigt wäre, möglicherweise alternativ ein strenges Überwachungsprogramm durchlaufen bzw. durch ein schonenderes chirurgisches Verfahren (ausschließlich Entfernung der Lymphknoten) behandelt und anschließend streng überwacht werden. Ein solches Vorgehen muss stets unter klinischer Beobachtung durchgeführt werden. Auch sollte in einem spezialisierten Zentrum immer geprüft werden, ob bei bestimmten Patienten, bei denen eine chirurgische Behandlung nach den herkömmlichen Empfehlungen angezeigt wäre, eine Wiederholung der endoskopischen Behandlung, speziell der endoskopischen Resektion, möglich ist und sinnvoll erscheint.
Überwachungsprogramme und Behandlungsstrategien bei Barrett-Ösophagus sind weitere Schwerpunkte unserer Arbeit. Unsere Forschungsarbeiten tragen seit Ende der 90´ger Jahre kontinuierlich zu dem heutigen Verständnis und dem medizinischen Fortschritt bei. Unter anderem konnten wir nachweisen, dass trotz der kompletten Zerstörung des Barrett-Ösophagus bei Patienten mit Krebsvorstufen oder Krebsfrühformen nach einem Verlauf von mehr als 5 Jahren bei fast der Hälfte der untersuchten Patienten die Barrett-Schleimhaut wieder aufgetreten ist. In einem geringen Anteil von 6% der Patienten hatte sich erneut ein Barrett-Ösophagus mit Veränderungen gebildet. Hieraus ergibt sich die Empfehlung, dass Patienten mit einem behandelten Barrett-Ösophagus auch später noch in regelmäßigen Abständen endoskopisch überwacht werden sollten.

 

Wie geht es weiter?

Patienten mit einem Barrett-Ösophagus ohne Veränderungen bleiben in der Überwachung mit endoskopischen Kontrollen in regelmäßigen Abständen (z.B. zwischen 1 und 3 Jahren), um Veränderungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Nach dem Abschluss einer endoskopischen Behandlung bei Veränderungen erfolgt ebenfalls eine regelmäßige Nachsorge, die zunächst engmaschiger ist (im ersten Jahr alle 3 oder 6 Monate) und anschließend gestreckt wird. Die medikamentöse Therapie mit magensäureblockierenden Medikamenten sollte man mit dem behandelnden Gastroenterologen hinsichtlich ihrer Dauer und Dosierung absprechen.

Erfährt man die Behandlungen im Rahmen von klinischen Studien, sind die Abstände der Überwachung üblicherweise klar festgelegt.

Die Überwachung erfolgt in der Regel ambulant mit einer Speiseröhrenspiegelung und der Entnahme von Gewebeproben. In bestimmten Fällen wird die Untersuchung noch durch eine Endosonographie ergänzt.

 

Barrett-Ösophagus und Krebsvorstufen am Speiseröhrenzentrum des UKE

Am UKE werden Patienten mit Barrett-Ösophagus mit und ohne Veränderungen seit Jahrzehnten betreut. Langjährige Erfahrung und Expertise in der Diagnostik, Beurteilung, Beratung und der endoskopischen Behandlung kommen besonders auch Patienten mit komplexeren Befunden zugute, speziell auch ergänzt durch die besondere Expertise in dem Institut für Pathologie, welches die feingeweblichen Untersuchungen der Gewebeproben durchführt. Die gesamte Bandbreite der bewährten und neuartigen Behandlungsmöglichkeiten (Endoskopie und Chirurgie) steht zur Verfügung.

Das Speiseröhrenzentrum am UKE ist eines der erfahrensten Spitzenzentren in Deutschland für Patienten mit Barrett-Ösophagus und ihrer Veränderungen. Außerdem ist es eines der Spitzenzentren weltweit, welches die Ursachen, Überwachungsprogramme und Behandlungsmöglichkeiten als einen Schwerpunkt erforscht. Hierfür arbeiten wir auch mit anderen europäischen Forschungszentren eng zusammen. Patienten mit Barrett-Ösophagus haben bei uns die Möglichkeit auch im Rahmen von Studien behandelt zu werden bzw. teilzunehmen, u. a. mit neuen Behandlungsansätzen, neuen endoskopischen Bildgebungen, genetischen Untersuchungen etc.